Antwort auf Stadtratsanfrage: Frauenanteil der Künstler bei den Kunstwerken im städtischen Besitz

Frauenanteil der Künstler bei den Kunstwerken im städtischen Besitz
Frauenanteil der Künstler bei den Kunstwerken im städtischen Besitz

Antwort Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers:

Ihrer Anfrage schicken Sie folgenden Sachverhalt voraus:

„In einer großen Münchner Tageszeitung war in der letzten Woche eine Zusammenstellung zu finden, wie hoch der Anteil von Werken im Bestand der staatlichen Museen in München ist, die von Künstlerinnen geschaffen wurden.

Das Ergebnis ist dort eher ernüchternd, was bei der Alten und Neuen Pinakothek, aus der Zeit der Entstehung heraus, noch verständlich ist, bei der Pinakothek der Moderne und der Sammlung Brandhorst allerdings zum Nachdenken anregt, wie die Auswahlkriterien beim Ankauf von Kunstwerken gehandhabt werden.

Nun hat auch die Landeshauptstadt München bedeutende Kunstsammlungen und Bestände, so im Lenbachhaus, der Villa Stuck, aber auch im Stadtmuseum.

Es stellt sich die Frage, wie es hier mit dem Anteil von Künstlerinnen an den Beständen aus-sieht, ob z.B. zumindest die Zahl der ausgestellten Kunstwerke von Frauen dort höher ist, als in den staatlichen Sammlungen, bezogen auf den Gesamtbestand von Künstlerinnen geschaffenen Werken.“

Frage 1:

Welche städtischen Institutionen haben Kunstwerke in ihrem Besitz oder in Verwaltung?

Antwort:

Kunstwerke in nennenswertem Umfang besitzen die Artothek, die Städtische Galerie im Lenbachhaus, das Münchner Stadtmuseum und das Museum Villa Stuck.

Frage 2:

Wie viele davon befinden sich im Eigentum der Stadt und wie viele sind Leihgaben?

Antwort:

Die Kunstwerke in den Beständen der städtischen Museen (mit Ausnahme der Galerie im Lenbachhaus) befinden sich nahezu vollständig auch im Eigentum der Stadt. Bei der Artothek ist dies zu 100% der Fall, beim Museum Villa Stuck und dem Stadtmuseum sind Dauerleihgaben in geringem Anteil vorhanden.

Bei der Galerie im Lenbachhaus kommen zu den 23.000 in städtischem Eigentum befindlichen Kunstwerken noch ca. 5.000 Kunstwerke, die dem Museum als Dauerleihgabe von verschiedenen Stiftungen zur Verfügung gestellt werden (siehe auch Antwort zu Frage 3).

Frage 3:

Wie viele Kunstwerke haben die Sammlungen der einzelnen städtischen Galerien und Museen – Lenbachhaus, Villa Stuck, Stadtmuseum und? – jeweils in ihren Beständen?

Antwort:

Städtische Galerie im Lenbachhaus:

Abgesehen von verschiedenen Nachlässen, dem Kubin Archiv und diversen Gegenständen wie Möbel etc. aus der Sammlung Franz von Lenbachs sowie dem sog. Amtsraumschmuck besitzt das Lenbachhaus ca. 28.000 Kunstwerke.

Museum Villa Stuck:

Das Museum Villa Stuck besitzt ca. 1.160 Objekte aus den Gattungen Gemälde, Arbeiten auf Papier, Fotografie, Skulptur, Möbel, Glas, Keramik, Metall, Textil, Archivbestände; inkl. der Sammlung Buchkunst umfasst der Bestand ca. 4.500 Objekte.

Münchner Stadtmuseum:

Das Münchner Stadtmuseum hat insgesamt einen Bestand von zirka 3 Millionen Einzelobjekten. Diese befinden sich in mehr als einem Dutzend Sammlungen mit unterschiedlichsten Ausrichtungen. Das Sammlungskonzept einer Reihe von Sammlungen ist weniger künstlerbasiert, als vielmehr themenbasiert (Sammlung Stadtkultur/ Volkskunde, Puppentheater/ Schaustellerei) und in einigen Sammlungen rein historisch angelegt (Gemälde, Graphik), da die aktuelle Kunst in der Regel Sammlungsauftrag der Städtischen Galerie im Lenbachhaus ist.

Artothek:

Die Artothek hat ca. 1.700 Kunstwerke in ihrem Bestand.

Frage 4:

Wie viele dieser Kunstwerke sind von Männern geschaffen worden, wie viele von Frauen – bitte jeweils nach Institution aufgeschlüsselt –?

Antwort:

Städtische Galerie im Lenbachhaus:

Nach Epochen gruppiert sieht es im gesamten Museumsbestand derzeit so aus: Anteil Künstlerinnen bis 1900: 1% Da die Ausbildung von Künstlerinnen erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts eine institutionalisierte Form (private Kunstschulen, öffentliche Kunstakademien) erhielt, entspricht der minimale Anteil von Frauen den gesellschaftlichen wie institutionskonstitutiven Rahmenbedingungen.

Für den Sammlungsbestand der Jahre von 1900 – 1945 erhöht sich der weibliche Anteil auf 6%, wobei für die Jahre 1933 bis 1945 zu konstatieren ist, dass in den Jahren der NS-Herrschaft kaum Kunstwerke von Frauen erworben wurden, auch das ist ein Spiegelbild ideologisch überformter Rollenbilder.

Im Zeitraum von 1946 – 2015 erhöht er sich auf durchschnittlich 11%. Hier gilt auch – wie für die Daten der Dauerausstellung – dass sich der Werkanteil von Künstlerinnen für die Gegenwartskunst in den Jahren 2005 – 2015 von 11% auf 19% nahezu verdoppelt hat.

Bei der Auswahl an Neuerwerbungen legt das Lenbachhaus seit mehreren Jahren den Fokus auf den Erwerb von zeitgenössischen Werken von Künstlerinnen, sodass der Anteil hier bei etwa 60% liegt.

Museum Villa Stuck:

Die Sammlung ist laut Stiftungssatzung vor allem auf das Werk von Franz von Stuck konzentriert, es gibt daher – bis auf vereinzelte Ausnahmen – keine Werke anderer Künstlerinnen oder Künstler.

Münchner Stadtmuseum:

Eine detaillierte statistische Auswertung des Frauenanteils bei Künstlern im gesamten Münchner Stadtmuseum ist kurzfristig nicht leistbar und wegen der Heterogenität der Sammlungen und ihrer Sammelstrategien vermutlich auch nicht aussagekräftig.

Am Beispiel einer stärker künstlerbasierten Sammlung wie der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum können wir dennoch einen von Fachseite genannten Anteil von ca. 25% Frauenanteil für den Zeitraum von 1960 bis heute dokumentieren. Gleiches gilt für die Sammlung Mode (25%) und die Angewandte Kunst (Kunsthandwerk) mit ca. 15%. Nimmt man aktuelle Erwerbungen der Sammlung Fotografie (vgl. Beschluss des Kulturausschusses vom 3.12.2015), so haben 3 von 10 umfangreichen Schenkungen die Arbeiten von Fotografinnen zum Inhalt (Liselotte Strelow, Silke Grossmann, Gaby von Arnim).

Es ist festzuhalten, dass das Münchner Stadtmuseum sich der Erwartung, gesellschaftliche Entwicklungen zu dokumentieren, stellt – auch im Hinblick auf eine repräsentative und angemessene Berücksichtigung von Frauen als Kunstproduzentinnen.

Artothek:

Von den 829 Künstler/-innen der Sammlung sind 69% männlich und 31% weiblich. Allerdings hat sich das Ankaufsverhalten in den letzten Jahren deutlich gewandelt, wie die prozentuale Verteilung der letzten drei Ankaufsjahre verdeutlicht:
Prozentuale Verteilung der letzten drei Ankaufsjahre:
– 2011, Künstlerzahl gesamt: 32, davon 59% männlich und 41% weiblich
– 2013, Künstlerzahl gesamt: 37, davon 43% männlich und 57% weiblich
– 2015, Künstlerzahl gesamt: 34, davon 50% männlich und 50% weiblich

Frage 5:

Wie viele dieser Kunstwerke werden, aufgeschlüsselt nach Künstlerinnen und Künstlern, jeweils von den einzelnen Institutionen dauerhaft ausgestellt?

Antwort:

Städtische Galerie im Lenbachhaus:

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus hat den Anteil von Frauen in der derzeitigen Dauerausstellung analysiert; der durchschnittliche Anteil von Künstlerinnen in der Sammlungspräsentation beträgt zur Zeit 19% insgesamt (über alle Epochen vom 16. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Kunst). Dabei ist im Bereich der Internationalen Gegenwartskunst der Anteil signifikant höher als insbesondere vor 1900.

Der Gesamtanteil an Künstlerinnen bei den Wechselausstellungen liegt über den gesamten Zeitraum von 1929 bis 2015 bei 14%. Auch hier ist der Anteil kontinuierlich angestiegen. Insbesondere in den Jahren nach dem Umbau des Lenbachhauses seit 2013 wurde das kuratorische Augenmerk auf die Präsentation von Künstlerinnen in aufwendig inszenierten monografischen Ausstellungen gelegt. Mit den Werkschauen zu Florine Stettheimer (2014), Lea Lublin (2015), Michaela Melián (2016), Rochelle Feinstein (2016) und schließlich Gabriele Münter (2017) setzt die Städtische Galerie einen international beachteten Schwerpunkt auf die Künstlerinnen.

Museum Villa Stuck:

In den Historischen Räumen der Villa Stuck werden in wechselnden Präsentationen neben Möbeln, wandgebundenen Kunstwerken, Plastiken und Ausstattungsgegenständen jeweils 20 bis 25 Gemälde und Skulpturen von Franz von Stuck ausgestellt. Im Jahr 2015 zeigte das Museum Villa Stuck sieben Ausstellungen, davon vier Einzelausstellungen (eine Künstlerin und drei Künstler) und drei Themenausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern. Im Jahr 2016 zeigt das Museum Villa Stuck sieben Einzelausstellungen (zwei Künstlerinnen und fünf Künstler).

Münchner Stadtmuseum:

In der Serie der Forums-Ausstellungen der Sammlung Fotografie beträgt der Anteil ausgestellter Fotografinnen 30%. Blickt man auf die Dauerausstellung „Typisch München!“, so sei beispielhaft die Dokumentation der Frauenbewegung der 1970-er Jahre genannt. Bei den Sonderausstellungen des Hauses sei auf die vielbeachtete Ausstellung „Ab nach München! Künstlerinnen um 1900“ (2014/2015) hingewiesen, die in bislang nicht gekanntem Umfang Werk und Wirken von bildenden Künstlerinnen im München der Prinzregentenzeit dokumentierte und inszenierte.

Gegenwartsnäher nahm sich die Ausstellung „Wem gehört die Stadt? Manifestationen neuer sozialer Bewegungen im München der 1970-er Jahre“ des Themas „Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung: Kampagnen gegen sexuelle Fremdbestimmung; Kampf gegen moralische und juristische Einschränkungen (§218; §175); Aufbau von Zentren und eigenen Medien“ an.

Artothek:

Die Artothek besitzt als städtischer Kunstverleih keine Dauerausstellung; bei den Wechselausstellungen orientiert sich der Anteil an Künstlerinnen an der prozentualen Verteilung beim Bestand (siehe Frage 4).

Aus den einzelnen Stellungnahmen der Institutionen wird deutlich, wie verschieden die einzelnen Aufgabenstellungen und Sammlungen und daher auch die Ergebnisse sind.

Von den vorstehenden Ausführungen bitte ich Kenntnis zu nehmen und gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.

Ulrike Grimm
Ulrike Grimm
Richard Quaas
Richard Quaas

 

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