Anfrage: Gleichstellung einmal anders – wie bekommen wir wieder mehr Männer, als Lehrer in die Grundschulen und als Erzieher in die Kindertagesstätten?

Richard Quaas
Richard Quaas

In der Schweiz läuft eine millionenschwere Werbekampagne, die zum Ziel hat, wieder mehr Männer in den Lehrdienst für die Grundschulen (dort Primarschulen) zu bekommen. Es hat sich immer mehr herausgestellt, dass es insbesondere für die Entwicklung der Jungen, aber auch der Mädchen wichtig ist, weibliche und männliche Lehrkräfte als Rollenvorbilder zu erleben. Nachdem an den Grundschulen, zumindest in den Städten, der Beruf der Grundschullehrer mit über 90% von weiblichen Lehrkräften ausgeübt wird, ja oft sogar schon der Hausmeister die einzige männliche, erwachsene Person an der Schule ist, gilt es auch hier zu fragen, ob diese sehr einseitige Entwicklung für das Aufwachsen unserer Kinder gut und gesund ist. Der Beruf des Grundschullehrers sollte auch für männliche Bewerber wieder attraktiv gestaltet werden, damit sich mehr Abiturienten wieder für diesen Lehrberuf entscheiden und das Geschlechterverhältnis nicht derart einseitig ausfällt.
Die Wissenschaft ist schon lange der Meinung, dass es in der Pädagogik die weibliche und männliche Sicht, für eine unverkrampfte Entwicklung der Kinder braucht. Das gilt auch schon für Kindergärten und für Förderschulen, wo die Geschlechterverteilung bei Erziehern und Lehrern ähnlich ist.

Ich frage deshalb den Oberbürgermeister:

1. Gibt es aktuelle Zahlen, wie viele Frauen und wie viele Männer an den Grundschulen im Stadtgebiet als Lehrkräfte beschäftigt sind?
2. Wie sieht die Verteilung bei den Erzieherinnen und Erziehern an städtischen, bzw. öffentlichen Kindergärten und Krippen in der Landeshauptstadt aus?
3. Ist die in der Schweiz gestartete Kampagne, wieder mehr männliche Lehrkräfte für die Grundschulen zu bekommen, auch den städtischen und staatlichen Fachbehörden bekannt?
4. Wie beurteilen die städtischen und staatlichen Fachbehörden diese Schweizer Initiative in Bezug auf die Situation in den Münchner Grund- und Förderschulen, könnte das ein Ansatz für ähnliche Überlegungen hier zu Lande sein?
5. Wenn ja, gibt es schon solche Gedanken und Initiativen auch in der Stadt und in Bayern?
6. Wenn nein, warum wird dieses Problem in der Schweiz offensiv aufgegriffen, breit diskutiert und warum wird dort versucht, es mit einem millionenschweren Förderprogramm langfristig zu beheben?
7. Gibt es über diese Frage einen Fachaustausch im deutschsprachigen Raum oder gar in den Ländern der EU, die auch von diesem Phänomen betroffen sind?
8. Was macht nach Meinung der städtischen und staatlichen Fachbehörden den Beruf des Lehrers und Erziehers für männliche Bewerber, gegenüber früheren Jahrzehnten, so unattraktiv, dass sich nur ein verschwindend geringer Teil der Schulabsolventen für diesen Zweig des Lehr- und Erzieherberufes entscheidet?
9. Gibt es Erhebungen, wie die Eltern und Erziehungsberechtigten diese Situation beurteilen, die von wissenschaftlich tätigen Pädagogen und Psychologen schon länger, immer wieder, auf die „Tagesordnung“ der Fachwelt gebracht wird?

Richard Quaas
Richard Quaas

Quelle:
http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/primarschulen-suchen-lehrer-jetzt-gibts-maennerfoerderung-ld.83972

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