Offenbarungseid der Stadtverwaltung? NACHFRAGE zur Antwort der Anfrage: Welche Ursache haben die umfangreichen Staus am Isarring?

Welche Ursachen haben die umfangreichen Staus am Isarring?
© Kara / Fotolia

In der Antwort vom 20. April 2017 auf die Anfrage vom 8.2.2017 wird von Seiten des Planungsreferates und des KVR grob zusammengefasst konstatiert, dass für die Bewältigung des Verkehrs auf dem Isarring in westlicher Richtung keine Kapazitäten mehr vorhanden wären. Der Antwortteil des Planungsreferates beschäftigt sich überhaupt nicht mit der Hauptproblematik in Fahrtrichtung Westen, sondern greift lediglich eine einzige Frage zur östlichen Fahrtrichtung auf.

Offenbar gibt es bei der Verwaltung keine Überlegungen, wie der Verkehr wieder verflüssigt, bzw. entzerrt werden könnte, was in einer so stark wachsenden Stadt wie München, die laut eigener Prognose bis 2030 auf 1,8 Mio. Einwohner anwächst, einem Offenbarungseid gleich kommt! Die Aufgabe des Planungsreferates müsste es doch sein, Lösungen zu entwickeln, die auch den wachsenden Verkehr in der Stadt berücksichtigen und an realistischen Parametern angelehnt sind. Alle Prognosen, die nur eine Lösung sehen, wenn ein Umstieg von hunderttausenden weiteren Personen auf öffentliche Verkehrsmittel gelingt, gehen an der Realität krass vorbei. Nicht nur viele Straßenverbindungen sind an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, sondern auch die wichtigsten Verbindungen des ÖPNV, auch dort ist nur punktuell Abhilfe in Sicht oder geplant. Die Referate haben die Aufgabe, nicht nur die Stadt zu verwalten, sondern auch Zukunftsperspektiven zu entwickeln, wie die nächsten Jahrzehnte auf vielen Bereichen gemeistert werden können und um dem Stadtrat Lösungsvorschläge zu machen, die dann erst durch ihn, politisch und finanziell bewertet werden und durch die Politik in eine Prioritätenliste eingeordnet werden müssen. Zumindest, was die absolut notwendigen Kapazitätssteigerungen im Straßennetz betrifft, ist überwiegend Fehlanzeige zu verzeichnen.

Wir fragen deshalb den Oberbürgermeister:

1. Gibt es zu den in der Antwort vom 20.04.2017 gemachten Aussagen über das Erreichen der Kapazitätsgrenzen am Isarring in westlicher Fahrtrichtung im Planungsreferat keine Vorstellungen, wie diese Engpässe behoben werden könnten?
2. Kann in der Verwaltung nicht einmal ohne Denkverbote und ideologische Hemmnisse ein tragbares Konzept entwickelt werden, das der Realität der nächsten Jahre auf den Straßen vermutlich nahe kommt, ohne gleich wieder abwertend von der autogerechten Stadt zu sprechen?
3. Würde z.B. ein schneller Ausbau des Föhringer Rings, nicht auch zu einer Entlastung des Isarrings in beiden Fahrtrichtungen beitragen?
4. Wäre eine Weiterführung der Heidemannstraße über die Ingolstädterstraße hinaus nicht auch eine Entlastungstangente für den ganzen Münchner Norden und damit auch für die Fortsetzung des Isarrings in der Schenkendorfstraße?
5. Weitere Siedlungsmaßnahmen im nordwestlichen Teil der Stadt sind geplant, welche Konsequenzen hat das für das überörtliche Straßennetz und die notwendigen Kapazitäten?
6. Wurde von der Stadtverwaltung mit der Autobahndirektion gesprochen, ob dort Möglichkeiten gesehen werden, den allabendlichen Stau von der Auffahrt Schwabing auf die BAB A9 und in Fortsetzung zum Kreuz-Nord zu beheben, bzw. wieder zu verflüssigen, der ja auch wesentlich zu dem Stau auf dem Isarring beiträgt, weil der Verkehr auf die Autobahn nicht abfließen kann?
7. Wenn ja, welche Möglichkeiten werden dort gesehen?
8. Wenn nein, warum nicht, obwohl die Notwendigkeit auf der Hand liegt?
9. Der hauptsächlich nachmittägliche und abendliche Stau auf dem Nordwestteil des Mittleren Rings, der bis zum Isarring zurückreicht, hat u.a. eine der Ursachen in der einspurigen Einfädelung des Georg-Brauchle-Rings in die Landshuter Allee, welche Planungen gibt es hier, auch notfalls mit baulichen Mitteln, die Engstelle endlich zu beseitigen und den Verkehr dadurch zu verflüssigen?
10. Für den gesamten Bereich nördlich des Isarrings fehlt eine leistungsfähige Tangente des ÖPNV, die evtl. tatsächlich einen Umstieg vom Auto erleichtern könnte, wann ist hier mit einer Abhilfe zu rechnen, bzw. wäre nicht gerade in diesem Bereich ein Teilstück eines S-Bahnnordrings zu priorisieren, notfalls mit einem Pendelbetrieb vom und zum Ostbahnhof?
11. Ist der Oberbürgermeister mit uns der Meinung, dass auch die verkehrlichen Herausforderungen, mitverursacht durch den starken Bevölkerungszuwachs, nur mit einem Höchstmaß an planerischer Fantasie und Pragmatismus zu lösen sein werden?

Richard Quaas
Johann Sauerer

2 Gedanken zu “Offenbarungseid der Stadtverwaltung? NACHFRAGE zur Antwort der Anfrage: Welche Ursache haben die umfangreichen Staus am Isarring?

  1. Ihre Anfrage liest sich so, als ob Sie erstmal tief durchatmen sollten. Und dann die Antwort nochmal lesen. Im Wesentlichen sind Ihre Fragen dort nämlich bereits beantwortet: „Jede Verbesserung der Infrastruktur in diesem Bereich generiert eine weitere Verkehrszunahme und führt zu möglichen Problemen an anderer Stelle.“ Das ist doch eigentlich eindeutig und verständlich, oder? Anders gesagt: Es bringt nichts, dort die Kapazität weiter zu erhöhen, weil jede Sekunde, die ein Autofahrer dort spart, an anderer Stelle Autofahrern zwei Sekunden kostet. Genau das ist dort in der Vergangenheit schließlich mehrfach passiert, durch Ausbau (erst Richard-Strauss-Tunnel, dann die Einfädelspur am Isarring) wurde die Strecke attraktiver, also fahren mehr KFZ dort lang – so lange, bis es genauso viel Stau gibt wie vorher (nur dass gleichzeitig an anderer Stelle der Stau zunimmt). Und das alles, während der Autoverkehr in München insgesamt abgenommen hat – nur eben nicht an den Straßen, die ausgebaut wurden. Ich nehme an, dass dies auch den Stadträten der CSU bekannt ist. Es wäre also hilftreich, die CSU würde sich nicht im Klein-Klein um einzelne Straßenausbauten verrennen, sondern Konzepte für zukunftsfähigen Verkehr erarbeiten. Sie können ja mal Amsterdam, Zürich, Stockholm oder Kopenhagen fragen, wie diese Städte das machen (kleiner Tipp: Der Ausbau von Kapazitäten für den KFZ-Verkehr ist es nicht 😉 Dann läuft es irgendwann auch auf dem Isarring wieder besser – und nicht nur dort, sondern eben auch an anderen Straßen.

    Gefällt mir

    • Sehr geehrte Frau Bauer,

      vielen Dank für Ihre Einschätzung!

      Ein wissenswerter Hinweis: Die CSU-Stadtratsfraktion setzt sich nachweislich für den Ausbau des gesamten Infrastrukturnetzes ein, da sich in den letzten 20 Jahren in allen Bereichen ein enormer Investitionsstau gebildet hat, dessen Auswirkungen wir nun zu spüren bekommen. Wir genehmigen den ÖPNV-Ausbau (z.B. U-Bahnbau, Taktverdichtungen bei Bus und Tram), beschließen für die Fußgänger eine Ausweitung der Fußgängerzone, investieren 10 Mio. Euro pro Jahr in die Nahverkehrsmobilitätspauschale (z.B. für den Ausbau von Radwegen oder Fahrradschnellstraßen) und verbessern den MIV (z.B. Tunnelbau). Die Konzepte der von Ihnen genannten Städte sind uns hinreichend bekannt. Die Frage ist, was davon passt für München und wie gestalten wir den Verkehr bzw. die Infrastruktur insgesamt. Fakt ist, dass die Menschen heute nicht nur ein Verkehrsmittel benutzen, um z.B. in die Arbeit zu kommen oder einzukaufen. Die Menschen fahren in der Früh an einem Tag mit dem Rad zur S-Bahn, die sie in die Arbeit bringt, und kaufen am Nachmittag mit dem Auto ein. Deshalb wäre es äußerst einseitig von einer Partei, sich ausschließlich auf den Ausbau eines Verkehrmittels zu konzentrieren. In Hinblick auf die Luftreinhaltung und Entlastung der Straßen ist uns bewusst, dass den Menschen attraktive Alternativen geboten werden müssen. Wie gesagt, deshalb bauen wir den überlasteten ÖPNV oder die Radstrecken aus und setzen nachhaltig auf den Ausbau der E-Mobilität.

      Zum Ausbau des Isarrings bleibt zu sagen, dass es grundsätzlich die richtige Überlegung ist, die großen Ringstraßen auszubauen. Der Verkehr soll schließlich nicht durch die Wohnviertel kriechen. Deshalb fordern wir von der Verwaltung Lösungsansätze und kontinuierliche Verbesserungen. Der Autoverkehr wächst schon allein durch den massiven Zuzug, das belegt der jährliche Anstieg der Kfz-Anmeldungen. Hier nicht nach Verbesserungen zu suchen, halten wir für eine fahrlässige Kapitulation vor der Wirklichkeit.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ihre CSU-Stadtratsfraktion
      Text, Anstieg Kfz-Anmeldungen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s